Romanhefte, mal was anderes


Romanhefte sind interessante Sachen. Für viele Menschen nichts anderes als Schund muss ich sagen, dass ich sie niemals als soetwas gesehen habe. Klar gibts gute und schlechte, aber man darf nicht vorverurteilen, denn manchmal kommen erfrischend interessante Geschichten heraus, die in normalen Büchern schwer möglich sind.
Ebenfalls interessant ist die Tatsache, das Romanbörsen gerne als Vorläufer von den heutigen Wiener Comic Shops gesehen werden und manche sind dadurch auch tatsächlich entstanden. Über dieses Phänomen gibt es eine wunderbare Dokumentation vom ORF, diese ist leider durch die seltsame Politik alles nur eine Woche on demand zu behalten nicht mehr frei verfügbar, aber mit einem Mail ans Archiv und einem kleinen Unkostenbeitrag kann man sich die DVD bestellen (wobei sich die hauptsächlich mit Arzt- Heimat- und Liebesromanen beschäftigt).

Die bekanntesten Romanhefte sind wohl Arztromane, Heimatromane und Liebesgeschichten. Aber um die wird es hier nicht gehen. Denn wir beschäftigen uns mit Science Fiction, Horror und das was man gerne mit dem Modebegriff Mystery umschreibt.
Als erstes beschäftigen wir uns mit Perry Rhodan, danach mit Matt Drax mit seinen Spin Offs, der Konkurrenz von Bastei, dann kommt kurz John Sinclair.

Perry Rhodan und ich haben eine bewegte Vergangenheit. Begonnen habe ich mit 10 Jahren mit dem Heft 1961 (Ein Sechstel SENECA) Gelesen habe ich über mehrere Jahre in einer Art on und off Beziehung. Und Spaß gehabt, denn Rhodan hat die besten Science Fiction Autoren im deutschsprachigen Raum. Entweder als Stamm- oder als Gastautoren. Oft gab es Romane, bei denen ich die berühmte „Sense of Wonder“ direkt gespürt habe, wo der Autor einen in eine komplett andere Welt gezogen hat. Besonders gut, auch vom literarischen Sinn her sind übrigens die Andreas Eschenbach Gastromane, diese haben immer einen ganz besonderen Blickwinkel und mache beim Lesen sehr viel Spaß.
Begonnen hat alles 1961 (was sehr lustig ist, wenn man bedenkt mit welchen Heft ich angefangen habe) mit der Geschichte von ein paar Mondlandern, die im Jahr 1971 ein außerirdisches Schiff finden, es kapern und damit die Menschheit in die galaktische Bühne einführen. Mittlerweile spielt die Serie ca. im Jahr 5000, viele Raumschlachten, viele galaktische Wunder und viele viele Hefte später. Das was PR auf Dauer geschaffen hat, ist eine Science Fiction Institution, ein Werk, dass für viele heutige Autoren ihre Initialzündung war und spannend ist.
Mittlerweile muss man sagen, dass das Niveau etwas abgenommen hat, wobei gerade ein Leo Lukas (großartige österreichischer Kabarettist und unglaublich netter Mensch) irrsinnig viel Sprachwitz eingebracht hat und mittlerweile ein „österreichisches“ Bollwerk regelmäßig für richtig gute Romane sorgt. Es gibt im Übrigen eine Iphone App, die kostenlos mit der Nr. 2500 geliefert wird, jedes weitere Heft kostet 0,79- 1,59€.

Matt Drax ist DAS Konkurrenzprodukt. Zwar ein anderes Setting (Kometeneinschlag, Welt am Abgrund) aber in den letzten Jahren doch immer stärker in den Kosmos abdriftend. Ich persönlich habe vor 2 Jahren aufgehört, weil ich weder Zeit noch Geld hatte und es mir immer blöder wurde.
Doch kann ich die ersten 100 Hefte unbedingt empfehlen, die machen unglaublich viel Spaß und wenn man sich nicht davon irritieren lässt, dass Matt Drax auf den Covern wie Richard Dean Anderson aussieht, dann ist es sogar sehr lustig.
Wesentlich besser sind übrigens die Spin Offs dieser Serie. Mission Mars erzählt die Geschichte einer Marsmission, das Volk der Tiefe eine Zombieplage am Kontinent Afra. Beide sind mMn spannender.

John Sinclair ist ähnlich wie PR eine Institution in der Romanheftwelt, von Jason Dark geschrieben und mittlerweile für mich nicht mehr lesbar. Immer gleicher Aufbau, immer gleiches Szenario, nur die Gegner sind anders. Manchmal sind es Satanisten, manchmal Vampire, manchmal Werwölfe, niemals aber Glitzerfeen oder Gabeln. Immer schafft es Dark aber eben keine Spannung aufzubauen, eine Deus Ex Machina zu produzieren, die unglaublich unglaubwürdig ist und anstatt guter Literatur ist es Fließbandware mit Monstern und anderen okkulten Zeug.

Insgesamt sollte der Comicinteressierte aber doch einmal in die Welt der Romanhefte reinschauen, vielleicht findet ja man doch was interessantes.

(Danke an Danamor für die Inspiration)

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3 Antworten to “Romanhefte, mal was anderes”

  1. Vorsicht, als treuer Leser von John Sinclair, möchte ich nur sagen, dass die Geschhichten immer spannend geschrieben sind und nicht immer nach Shema F gestrickt werden. Immer neue Gegner und Situation lassen keine Langeweile aufkommen. Auch die Supergegner stellen John vor grosse Herausforderungen. Man muss halt das Genre kennen und mögen. Den Text meines Vorautors könnte man, wenn man wollte, genauso gut auf jede x-beliebige Comicserie anwenden. Man muss halt daran denken, dass es in John Sinclair Romanen keine Bilder gibt. Das dürfte wohl das Hauptproblem bei der Bewertung gewesen sein.

    • Als erstes ist es eine ziemliche Unterstellung zu behaupten, dass ich John Sinclair deshalb nicht gut finde, weil es keine Bilder gibt. Das ist Blödsinn und ärgert mich etwas. Im Gegenteil Fließbandware habe ich bisher immer schlecht bewertet, ob das nun Taschenbücher, Comics oder eben Romanheftserien sind.

      Zweitens habe ich im Laufe der Zeit sicher ca. 500 Hefte gelesen, was ein bisschen weniger als ein Drittel der Serie ist. Und ganz jeder 10te Roman hat eine junge Frau in Gefahr von okkulten Zeugs die ermordet/umprogrammiert/entführt wird. Und John rettet sie oder er sühnt ihren Tod. Wenn er in Gefahr gerät hat er sein Kreuz, Harry Stahl Suko etc. die ihm immer aus der Patsche helfen. Das kann man über PR oder Maddrax nicht sagen. Dort sind die Zyklen zwar etwas gleichförmig aber dafür sind einzelne Romane wirklich herausragend gut.
      John Sinclair schafft das in meinen Augen nicht mehr, wobei es auch dort Perlen gibt, wenn auch wirklich sehr selten.

  2. austrofrenchie Says:

    Ich hab mich gerade so abgehaut. Das mit den Bildern war echt grandios.

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