Dante’s Inferno


Wie wird wohl die Entwicklerkonferenz bei Visceral gelaufen sein, als sie begonnen haben Dante’s Inferno zu entwickeln. So stelle ich es mir vor

„EA will ein Spiel, dass gegen God of War ankommt, wir sollen es produzieren.“
„Puh das wird schwer, aber ich denke wir schaffen das, wenn wir nur extreme Sachen benutzen“
„Heißt das, dass wir brutaler als God of War sein sollen?“
„Ja“
„Perverser?“
„Ja“
„Obzöner?“
„Ja“
„Gut, dann nehmen wir am besten eine Literaturvorlage die noch niemand gelesen hat, suchen die markantesten Punkte heraus und versuchen das Ding so krass wie möglich zu machen. So kriegen wir auch leicht Aufmerksamkeit.“
„Marquis de Sade?“

So oder ähnlich hat es sich sicher abgespielt, denn wenn ein Spiel hierfür Pate gestanden hat (kleiner Insiderwitz, denn Visceral hat auch den Paten versoftet) dann war es definitv God of War. Denn eigentlich könnte man sagen, dass Dante’s Inferno God of War ist. Nur in einem Mittelaltersetting und mit einem toskanischen Kreuzfahrer anstatt einem wütenden Spartaner. Es spielt sich nicht nur gleich, sondern haargenau gleich. Man rennt, man tötet, man hüpft, man schwingt, wie es einem Kratos schon sehr gut vorgemacht hat.
Was macht dann aber Dante einzigartig, denn bisher gibt es noch keinen plausiblen Grund sich dieses Spiel zu holen und nicht die hervorragende God of War Trilogie.

Und das wirklich tolle an Dantes Inferno ist die bizarr-groteske Atmosphäre in die wir eintauchen. Die Figur des Dante wird sehr interessant charakterisiert. Ein marodierender Kreuzfahrer, der auf seinem Weg nach Jerusalem so ziemlich jede Sünde begeht die man nur begehen kann. Irgendwann reicht es auch ihm und er kehrt zurück in sein Italien, wo er gleich seinen Vater, seine Freundin und ein paar Diener tot am Boden liegen sieht. Da er im Tutorial niemand anderen als den Tod getötet hat und nun dessen Sense als Waffe besitzt, steigt er mal eben so in die Hölle hinab um seine Freundin zu retten.
Und diese Hölle wird sehr grotesk gezeichnet. Dabei ist jedes Plateau einer anderen Todsünde gewidmet und jede sieht anders aus. Wollust zB ist ein riesiger Turm. Wie könnte man sich einen riesigen Turm der Lust vorstellen…. genau. Womit könnte dieser riesige Turm geschmückt sein? Mit primären Geschlechtsteilen von Mann und Frau natürlich. Gier ist ein riesiger Darmtrakt usw. Wer sowas plattes witzig findet, der wird mit Dante’s Inferno eine höllische Freude haben. Leider wird das Spiel gegen Ende etwas eintönig, die beiden letzten Todsünden sind meiner Meinung nach nichts anderes als Instrumente die Spielzeit zu verlängern, vorallem Betrug mit seinen 9 Plateaus ist in Wahrheit nichts anderes als eine einzige Schleife.

Aber auch unser Führer Vergil wirkt sehr seltsam. Während Dante mit allen Charakteren normal redet, beginnt ein Poetry Slam zwischen den beiden zu entspinnen. Klar, die Vorlage ist gereimt und wahrscheinlich sind das Zitate, es fühlt sich einfach nur so unglaublich fehl am Platz an.

Grafisch ist das Spiel leider nicht im geringsten seinen Vorbild ebenbürtig. Während GoW 3 alle paar Minuten einen wow Effekt verursacht bleibt Dante’s Inferno auf durchschnittlichen Niveau. Einzig die Rendervideos schauen richtig gut aus.

Alles in allem ein Spiel das vom GoW Hype lebt, weshalb es nichts anderes ist, als eine auf die Spitze getriebene Kopie von diesem ist. Deshalb muss es sich auch die Vergleiche dazu gefallen lassen. Trotzdem ist es kein schlechtes Spiel, sondern ein durchaus amüsanter Zeitvertreib, den ich zwar sehr schnell durchgespielt habe (<8h) und für den ich niemals Vollpreis bezahlen würde, aber ich hatte meinen Spaß und so wie es aussieht wird wohl auch ein 2. Teil gemacht werden. Was gleichzeitig auch Sinn macht, denn die göttliche Komödie besteht aus drei Teilen und God of War hat ja auch 3 Teile.

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2 Antworten to “Dante’s Inferno”

  1. Ratzfatz Says:

    Ich bin immer wieder erstaunt wie ihr Zocker die Spiele in unter 10 Stunden durchspielt und das auch noch in nem ziemlich kurzen Zeitraum. Von Rollenspiel abgesehen, verliere ich meistens schon nach ner Stunden das Interesse und wenn mal was nicht klappt, hab ich auch nicht die Geduld eine Passage immer wieder zu wiederholen bis es hinhaut bzw. dauert es Wochen bis ich mich dazu aufraffe es noch einmal zu probieren.

    Ich glaub Max Payne 2 war das einzige Spiel bei dem ich ich mich richtig dahintergeklemmt habe und es deshalb auch in ziemlich kurzer Zeit durch hatte.

    • Naja, wenn einem ein Spiel fesselt, dann vergisst man gut und gerne auch mal die Zeit. Das ist mir bei Dante zum Beispiel so gegangen. Da spielt man und spielt und plötzlich ist das Licht draußen weg und man ist komplett im dunklen und dann macht man 10 Minuten Pause spielt weiter und es ist weit nach Mitternacht. Und wenn das an zwei Abenden passiert, dann hat man seine 8h schon weg.

      Zu den frustigen Passagen: Ich hab erst vor ein paar Monaten ein Interview mit Sid Meier gelesen (dem Entwickler von so Spielen wie Civilization). Der meinte, das ein Spiel keine frustigen Passagen haben dürfte, weil sonst verliert der Spieler das Interesse. Und aus dem Grund sind die Spiele eigentlich heute kaum noch so richtig frustig, also bei Dante zum Beispiel habe ich nichteinmal für den Endgegner 10 Minuten gebraucht. Was eigentlich auch gut ist, denn ich will ja der Story folgen (auch wenn sie platt ist) und nicht eine Passage immer und wieder zocken bis ich sie blind kann. Und solche Spiele werden bei mir auch regelmäßig nach hinten verschoben und ich spiel sie dann, wenn ich wieder den Nerv dazu habe.

      Max Payne 2 ist ja in meiner to-play Warteliste und ich bin schon sehr gespannt wie die beiden Spiele auf mich wirken werden, ich kenn bis dato nur den 1. und den auch nur sehr rudimentär.

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