Abschweifende Gedanken zu meiner bevorzugten Art zu konsumieren, dem Comiclesen- und kaufen


Nur noch mal zur Erinnerung: Alle Äußerungen, die ihr euch nach dem Lesen dieses Satzes antun werdet, sind die subjektive Meinung eines 13-Jährigens, mir, der sich erlaubt, Sachen zu beurteilen, von denen er unter Umständen sehr wenig weiß und vielleicht ( sogar sehr wahrscheinlich) auch die falschen Schlüsse zieht. Wen dieses wirre Zeug sauer aufstößt, tut mir sehr leid, wer ernsthaftes Interesse an einem Meinungsaustausch ist aber jederzeit willkommen. Mir ist bewusst, wie man diese plakativen Verallgemeinerungen auffassen kann .

Es ist irgendwie total ermüdend für mich, diese ständigen Diskussionen über das perfekte Format des US-Comics in diversen Foren, Podcasts und Editorials. Die Themen und Argumente sind immer die gleichen, die Perspektiven immer die selben: Digitale Comics sind die Zukunft, Hefte sind zu teuer, Trades sind besser als Hefte, Hefte sind böse, Hefte sind tot, zuviel Werbung, schlechtes Papier, nimmt zu vie l Platz ein.. irgendwie finde ich das traurig. Es wird mir wieder einmal bewusst, wie einseitig die Mainstream Szene in den USA ist. Irgendwie sind das alles nur ältere, frustrierte Nerds die Comics der Vergangenheit nachtrauern, weil sie damals Fans waren und nicht nur kleine Konsumenten, die eingerechnet werden, jeden Mittwoch, etwas am Leben erhalten, was durch die Marktumstände verzerrt wurde und untergeht. Die Leute, die keinen Platz mehr haben und im Grunde nicht wirklich realisieren was sie sich antun. Es ist nicht mehr jedes Heft wichtig, es ist wichtig, Teil eines Ganzen zu sein, Continuity und Gemeinschaft und charaktertreu und dieser ganze Blödsinn von Leuten, die bemerken, dass sie bei aller Schönheit und Geborgenheit auch nur Kunden sind.

Ein Heft ist für mich etwas besonderes. Zumindest bei gewissen Leuten. Nehmen wir mal Stan Sakai und Erik Larsen. Das sind zwei Männer, bei denen jede Ausgabe für sich genommen großartig ist, und dennoch auch gesammelt gut wirkt, und Kontinuität trotzdem respektiert wird. Bei Erik Larsen sind Geschehnisse aus den letzten 17 Jahren immmer noch aktuell, trotz über 150 Ausgaben hat er immer noch Liebe für diesen Titel und man hat auch das Gefühl dass er eine Ahnung hat, was er tut.

Ich habe vor kurzem 10 Jahre alte Savage Dragon Heft gelesen- die Themen, Charakterentwicklungen sind heute immer noch aktuell, und trotzdem kommt man schnell in die Serie rein und es macht einen Riesenspaß. Jede Ausgabe. Es hat einfach alles was man bei einer spaßigen Serie braucht: geile Szenen, tolle Dialoge, bombastische Action, interessante Charakterentwicklungen, jede Menge Vorplanung, seinen sehr eigenen Touch und einzigartiges, meiner Ansicht nach großartiges Artwork. Alles was Larsen zur Zeit hier macht ist einfach großartig. Er ändert radikal die Geschehnisse, und er hat die Saat dafür schon vor langer Zeit ausgestreut. Und er zieht es durch, er hat mit der Serie schon viel probiert und auch wenn sie sehr klein ist, hat sie dennoch ihre eigene, unglaublich sympathische Fanbase. Dazu gleich mehr.

Zusätzlich macht er jetzt noch diese Sache mit den Back-Ups, auch wenn er das schon länger macht. Allgemein ist Erik Larsen ein sehr interessanter Künstler. Ich muss noch irgendwie seine Next Issue Project-Sachen holen.  Ehrlich gesagt habe ich jetzt Lust alle Savage Dragon-Hefte zu besitzen.

Usagi Yojimbo ist auch toll, und steht Savage Dragon in Sachen Pacing und Einzigartigkeit in nichts nach. Jede Ausgabe ist eine nette, atmosphärische Geschichte, erfrischend leicht verdaubar und doch ernst. Ich habe heute etwas gelesen was mir sehr gefallen hat und es auch ziemlich gut trifft. Usagi Yojimno ist irgendwie wie ein Disney Film, bei dem Quentin Tarantino Regie führt. Das trifft es ziemlich gut, nur der Humor ist eindeutig nicht das gleiche ist. Irgendwie kann der Comic noch so ernst und sogar brutal sein, man ist irgendwie total verzückt von der Atmosphäre, den Charakteren und dem Artwork (so eine Mischung aus Manga und US-Cartoon, sehr eigen, aber ich liebe es). Naja irgendwo hinkt der Vergleich dann doch, es klingt nur verdammt cool.

Das ist effektive Arbeit auf dem Bereich von Pacing. Natürlich gibt es auch die andere Seite der Medaille. Beide Serien sind etablierte Altserien, haben durch ihre Renommiertheit ihre Stammleser und haben viel Erfahrung. Aber auch bei Marvel und DC arbeiten solche Leute, wieso beschweren sich dann alle, dass alles fürs Trade geschrieben wird. Und da es ja anscheinend so ist, wieso denn überhaupt? Haben die zwei Großen etwa doch kein Interesse mehr am Single Issue-Markt und melken die Kuh nur noch solange bis es sich nicht mehr rentiert und auch das letzte Event keine 100 000 mehr verkauft (wobei Siege ja schon fast da angekommen ist)? Da sehe ich keine richtigen Initiativen. Irgendwie traurig wenn durchscheint, dass das, was man liebt und womit man sich befasst, auch nur eine Form des Konsums und der Unterhaltung ist. Das ist behindernd für jede Form von Fantum, weil seine eigene, subjektive, zusammengesponne und idealisierende Meinung überschattet wird von Kalkül und Business.

Ich persönlich liebe an US-Heften am meisten eines, so seltsam das auch klingen mag: das Drumherum. Das Editorial, die Werbung, die Leserbriefe etc… Das mag einen zwar jetzt noch nerven, aber in 20 Jahren ist es vielleicht wieder eine andere Sache. Ich habe zum Beispiel letzte Woche bei einem Urlaub in Hamburg ein dutzend Animal Man-Hefte geschenkt bekommen: das ist pures Gold für mich! Nicht nur ist die Story aus dem Run von Jamie Delano (die Hefte sind von verschiedenen Autoren und aus verschiedenen Perioden, Delanos Run ist aber eindeutig der herrausstecherende) unglaublich gut, ich persönlich habe damals nicht gelebt, und es ist einfach unheimlich interessant zu sehen, welche Videospiele da rausgekommen sind, welche Filme, was für Comic-Serien liefen etc.. Die damaligen Leserbriefe sind auch sehr interessant, immerhin hatten die Leute ja damals noch nicht wirklich die Möglichkeit sich anders auszutauschen. US-Hefte sind einfach dadurch für mich unheimlich interessant, ein Trade ist ja viel unpersönlicher (wobei ich sie auch mag) und von digitalen Comics ganz zu Schweigen. Leider sind halt US-Hefte nicht dass, was sie seien könnten. Weniger Zwang wegen Events u.ä könnte sich dadurch bezahlt machen, dass man bei der Verarbeitung verbessert. Leserbriefe z.B finde ich jetzt viel zu selten. Natürlich kann ich das alles aus dem Internet suchen, aber so macht es mir zumindest viel mehr Spaß.

Comics waren für mich irgendwie halt auch immer irgendwo mehr als nur Konsum. So fühl ich mich aber jetzt irgendwie, wenn ich Mainstream lese: wie irgendein kleiner Konsument (der ich auch bin, aber wer gesteht sich das gerne ein?). Man nimmt nicht richtig teil. Außer man geht ins Internet, was aber sicherlich nicht jeder will und wie gesagt, dann wird die Relevanz von gedrucktem Papier in meinen Augen immer kleiner und irgendwo ist es schade und nur Geldmacherei.

Tja, ich könnte zwar noch sehr viel länger hier weitersabbeln, jedoch will ich euch mit meinen geistigen Ergüssen nicht weiter langweilen. Ich habe Marvel und DC so und so schon irgendwo aufgegeben, bevor ich richtig damit angefangen habe. Wegen solcher Leute wie Stan Sakai und Erik Larsen, die Comics lieben und das auch zeigen. Wenn ich Superhelden will, greife ich eben eher zu Savage Dragon und Invincible, da fühle ich mich besser aufgehoben. Ich hasse es zwar, so zu klingen wie die Leute die immer gegen den bösen Mainstream schimpfen und die Indies hochjubeln, andererseits muss ich mich, denke ich, nicht rechtfertigen, und besser unterhalten werde ich bei den oben genannten Titeln auf jeden Fall.

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2 Antworten to “Abschweifende Gedanken zu meiner bevorzugten Art zu konsumieren, dem Comiclesen- und kaufen”

  1. Guter Artikel. Ich werd in meinem Blog demnächst drauf antworten…

  2. Ich kann mich Ratzfatz nur anschließen, einer deiner bisher besten Artikel.

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