Superman Vol. 2 85#


Heute bespreche ich Superman 85 und somit eins der ältesten Comics, die ich besitze. Das Heft ist im Jänner 1994 erschienen und war der zweite Teil des Dark Retribution-Arcs, in dem der damalige Superman-Autor Dan Jurgens den Schurken Toyman neu zu definieren versuchte, um ihn ein düsteres und verstörenderes Auftreten zu verpassen. Dieses Heft habe ich vor einiger Zeit bei einer Comic-Börse als Goodie bekommen und wurde eigentlich relativ positiv überrascht. Leider besitze ich die 84 nicht, dennoch hatte ich keine Verständnissprobleme.

Sowohl Story als auch Zeichnungen stammen aus der Feder von Dan Jurgens, einem meiner Lieblingskreativen aus der amerikanischen Comic-Szene. In Kontakt gekommen bin ich mit ihm aber bisher nur mit der aktuellen Booster Gold-Serie, wo mir seine Zeichnungen sehr positiv aufgefallen sind . Hier ist hier sein Zeichenstil noch nicht so stilisiert und markant wie heutzutage, dennoch hat es diesen plastischen Touch, den ich bei ihm so mag. Für die, die ihn nicht kennen, kann ich zum Vergleich nur Mark Bagley anbieten, der einen leicht ähnlichen Stil hat.

Die Geschichte an sich ist ziemlich interessant. Kinder aus verschiedenen Problemfamilien quer durch alle Schichten werden tot aufgefunden,  mit einem Spielzeug im Arm. Sofort verdächtigt Superman einen seiner früheren Feinde, den Toymaster. Allerdings war dieser bisher nie an Morden beteiligt, was den Verdacht mindert.

Ein bisschen verwirrend ist dieses Heft schon. Es fängt mit einer Sequenz an, dass Cat Grant, wohl so etwas wie Metropolis Gegenpart zu Vicky Vale (also eine Art Klatsch-Kolumnistin) , in einem innerem Monolog davon redet, Vergeltung an dem Mörder ihres Sohnes, eben jenem Toyman, zu üben. Es folgt eine Rückblende, was ich zu Beginn gar nicht begriffen habe, weil es ein direkter Übergang ist und nur durch die den Storyverlauf zu verstehen ist. Hier bittet Cat Grant Superman, den Mörder ihres Sohnes zu finden.

Dan Jurgens macht es sich echt zu einfach: Superman findet den Toyman, indem er mit seinen gesammten Fähigkeiten die Stadt abklappert, auf der Suche nach etwas verdächtigem. Wenn es wirklich so einfach wäre, wie hier geschildert wird, würde er das doch ständig machen. Und übrigens ist diese Sequenz echt seltsam, man sieht in einzelnen Panels unter anderem ein Kind, eine Ratte, einen Mixer, ein Coladose die geöffnet wird, die Beine einer afroamerikanischen Frau, ein Haufen Kisten und zu guter letzt den Toyman in einer Krippe. Wow. Was für ein ausgeklügelter Storytwist. Wieso er dadurch automatisch schuldig ist, verstehe ich nicht.

Den Toyman wie er hier präsentiert wird gefällt mir sehr gut, und würde unter Umständen auch sehr gut in Batmans Schurkengalerie passen. Er ist ein Wissenschaftler mit einem Spielzeug-Fetisch, der auf dem geistigen Stand eines 3-Jährigens ist, in einer Riesenkrippe schläft und die Stimme seiner Mutter hört, die ihm zu töten befiehlt. Freud FTW.

Die Story nimmt noch einen interessanten Kurs, als Cat Grant ins Gefängnis geht um Rache am Toyman zu üben. Die Konfrontation und der darauffolgende Dialog sind hochinteressant, man bekommt noch einen verstörenden Einblick in die kranke Denkweise des Toymans.

Mein großer Kritikpunkt an diesem Heft ist eigentlich eher halbherzig, und vielleicht auch unberechtigt. Die Story passt nicht zu Superman, an Toyman stört mich das Gleiche, wie bei manchen Flash Gegnern: er kann sich, in einer fanboyartigen Version von Realismus, nicht gegen Superman wehren, was er hier auch nicht tut und eigentlich auch nicht mal versucht. Allgemein kommt es mir so vor, als hätte Jurgens versucht, eine typische Batman Geschichte zu erzählen. Diesen Eindruck verstärkt der als Detektiv auftretende Supes zu Beginn des Heftes nur.

Allgemein hätte man sich mehr um die Atmosphäre der Story bemühen können. Ich hätte gern mehr vom Toyman gesehen, er hat richtig viel Potenzial in dieser Form, so wirkt es einfach schnell abgehackt. Auch die Farben sind viel zu bunt für so eine Geschichte. Dafür ist das Artwork ziemlich korrekt, auch wenn es wie gesagt noch etwas weit vom heutigen Jurgens entfernt ist. Die Zeichnungen sind hier einfach total unauffällig, richtig markante Momente fehlen halt leider.

Unterm Strich eine gute Ausgabe, eher Superman untypisch und leider auch nicht vollends überzeugend, also eher durschnittlich. Hier vergebe ich 6/10 Punkten.

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Eine Antwort to “Superman Vol. 2 85#”

  1. Ratzfatz Says:

    Wow! Ziemlich ausführliche (und natürlich gut geschriebene) Review für ein Einzelheft.

    Ich besitze nur eine Toyman Story die Teil eines (deutschsprchigen) Superman-Specials war. Dort hatte er offensichtlich vorher ne „gesunde“ Phase, drehte aber nach nem Vorfall wieder durch, rasierte sich ne Glatze und wurde wieder zum Schurken.
    Dort fand ich auch, dass er eher zu den gestörten Psycho-Schurken Batmans passen würde, doch war die Storie genau deshalb auch die beste dieses Specials.

    Wenn ich das richtig verstanden habe, ist ein Contra-Argument auch, dass Superman den Toyman zu leicht findet. Ich denke mir eigentlich bei jedem der älteren Superman Hefte, dass Superman weit unter seinen Möglichkeiten agiert… Vielleicht auch mit ein Grund warum ich mich nie richtig für Superman begeistern konnte…

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